Whistleblower-Leak enthüllt Infrastruktur für rund 120 illegale Online-Casinos in Deutschland
Geschrieben von Leon Lang · 18.8.2026

Whistleblower-Leak enthüllt Infrastruktur für rund 120 illegale Online-Casinos in Deutschland

Ein Whistleblower-Leak und eine internationale Recherche von Bayerischer Rundfunk sowie Investigate Europe haben ans Licht gebracht, dass die in Zypern und Malta ansässige Firma Soft2Bet Infrastruktur für etwa 120 lizenzlose Online-Casino-Seiten bereitstellt, die auch deutschen Spielern zugänglich sind, darunter Marken wie Wazamba und Rabona, während das Unternehmen zwischen 2020 und 2024 über 600 Millionen Euro aus diesen Aktivitäten erwirtschaftet haben soll.
Hintergründe der Recherche und die Rolle von Soft2Bet
Bayerischer Rundfunk in Kooperation mit Investigate Europe hat durch die Auswertung interner Dokumente und Daten von einem Whistleblower festgestellt, dass Soft2Bet, gegründet von Uri Poliavich, technische Plattformen und Dienste für zahlreiche Betreiber ohne deutsche Lizenz liefert, wobei diese Seiten trotz fehlender Genehmigung weiterhin auf den deutschen Markt ausgerichtet bleiben und Spieler aus Deutschland anziehen, während die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, Soft2Bet als technischen Intermediär einstuft, aber bislang keine gerichtsfesten Beweise für eine direkte Beteiligung am illegalen Glücksspiel vorlegt.
Die Untersuchung konzentriert sich ausschließlich auf diese eine Enthüllung, die zeigt, wie Soft2Bet durch Bereitstellung von Backend-Systemen, Zahlungsabwicklungen und Marketing-Tools eine zentrale Position im Netzwerk der nicht lizenzierten Anbieter einnimmt, und Belege deuten darauf hin, dass VIP-Berater gezielt Spieler ansprechen, die sich bereits selbst ausgeschlossen haben, um sie zu weiteren Einzahlungen zu bewegen.
Finanzielle Ausmaße und operative Taktiken
Zwischen 2020 und 2024 soll Soft2Bet mehr als 600 Millionen Euro aus den beschriebenen Operationen generiert haben, wobei die Einnahmen aus Provisionen und Gebühren für die Infrastruktur stammen, die es den Casino-Betreibern ermöglicht, ohne eigene Lizenz in Deutschland aktiv zu sein, und Beobachter haben dokumentiert, dass solche Taktiken auch die Ansprache von abhängigen Spielern über personalisierte Berater umfassen, was gegen geltende Selbstsperr-Regelungen verstößt.
Die Marken Wazamba und Rabona fungieren als Beispiele für die betroffenen Plattformen, die über die Soft2Bet-Infrastruktur betrieben werden und dennoch deutschen Nutzern uneingeschränkt zugänglich bleiben, während die Recherche aufzeigt, dass diese Strukturen über mehrere Jahre hinweg stabil funktionierten und erhebliche Umsätze erzielten, ohne dass die Betreiber eine deutsche Lizenz beantragten oder erhielten.

Stellungnahme der deutschen Glücksspielbehörde
Die GGL bestätigt die Existenz von Soft2Bet als technischen Dienstleister, weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass der Behörde derzeit keine ausreichend belastbaren, vor Gericht verwertbaren Nachweise für eine unmittelbare Mitwirkung am illegalen Glücksspiel vorliegen, und diese Position wird in offiziellen Erklärungen deutlich gemacht, die eine weitere Prüfung der Sachlage nicht ausschließen, aber auf rechtliche Hürden bei der Beweisführung verweisen.
Experten, die die Veröffentlichung von Bayerischer Rundfunk und Investigate Europe analysieren, stellen fest, dass die Behörde damit eine vorsichtige Haltung einnimmt, die zwischen Anerkennung der technischen Rolle und dem Fehlen direkter Beweise für illegale Handlungen unterscheidet, und diese Differenzierung prägt die aktuelle regulatorische Diskussion um die Durchsetzung des Glücksspielstaatsvertrags.
Auswirkungen auf den deutschen Markt
Die Enthüllung zeigt, wie ausländische Infrastrukturanbieter wie Soft2Bet eine Brücke für lizenzlose Angebote schaffen, die dennoch Millionen von Einsätzen aus Deutschland generieren, und Belege aus der Recherche belegen, dass die betroffenen Plattformen weiterhin Werbung und VIP-Programme betreiben, obwohl Spieler in manchen Fällen bereits eine Selbstsperre eingerichtet haben, was die Durchsetzung bestehender Schutzmechanismen erschwert.
Beobachter der Szene weisen darauf hin, dass solche Strukturen trotz behördlicher Überwachung über Jahre Bestand hatten, und die GGL hat in ihren Stellungnahmen klargestellt, dass sie die Entwicklungen verfolgt, ohne jedoch sofortige rechtliche Schritte gegen den technischen Intermediär ankündigen zu können, solange die Beweislage nicht ausreichend ist.
Fazit
Die gemeinsame Recherche von Bayerischer Rundfunk und Investigate Europe hat damit eine konkrete Verbindung zwischen Soft2Bet und einem Netzwerk von etwa 120 lizenzlosen Online-Casinos aufgezeigt, die deutschen Spielern zugänglich sind, und die daraus resultierenden Umsätze von über 600 Millionen Euro zwischen 2020 und 2024 illustrieren das finanzielle Volumen dieser Aktivitäten, während die offizielle Position der GGL weiterhin auf fehlende gerichtsfeste Beweise für eine direkte Beteiligung verweist und die weitere Entwicklung der regulatorischen Maßnahmen offen lässt.